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Juli 1999



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Ursula Chowdhury

Dezember 1998



Newsletter 1

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Anantha and Francis Aradhya 

.
September 1998



Newsletter 1    [Anfang]


Liebe Freunde.

Dies ist der erste Newsletter von unserem Projekt.
Wir freuen uns, dass wir über die verschiedenen Entwicklungsphasen  unseres Projekts an der Bannerghatta Road ( ungefähr 15 km südwestlich von Bangalore)  berichten können. Im Mai 1998 wurde mit dem Bau des ersten Hauses und des Wekstattgebäudes begonnen. Mit dem Graben des Tiefbrunnens warten wir noch einige Monate, da wir für den Bau Wasser vom benachbarten Brunnen bekommen.
Unser Bauunternehmer, Herr A. Sukumar, hat ein echtes Interesse an unserem gemeinnützigen Unternehmen entwickelt und seine Sorgfältigkeit und tatkräftige Entscheidungen verhelfen dem Bau zu einem ständigen Fortschritt. 
Die Grundmauern beider Gebäude stehen sicher auf dem Granituntergrund. Der Boden des Werkstattgebäudes ist fertig bis auf den mittleren Teil, für den Anantha und Georg Leuzinger, unser Architekt, künstlerische Ideen haben. Der mittlere Teil wird fünfeckig (wie das Gebäude selbst) und soll aus naturfarbenen Backsteinen gemacht werden. Der Bauunternehmer hofft, dass die Werkstatt in diesem Monat fertig werden wird, während der Hausbau  noch bis Anfang 1999 dauern wird - wenn alles gut geht!
Stetes Bauen heißt auch stete Bezahlen und wir warten und warten auf die Genehmigung vom Innenministerium in Delhi, endlich Geld aus dem Ausland empfangen zu dürfen. Im April 1998 haben wir den dritten Antrag gestellt und gerade heute, während dieser Newsletter geschrieben wir, bekommen wir die Nachricht, dass unser Antrag genehmigt wurde. Die holländischen Freunde von Camphill India überweisen nun sofort Dfl 50 000.00 und somit ist die Finanzierung des Baus vorläufig gesichert. Bald können auch andere Fördergruppen im Westen Geld an uns senden.
Hier in Indien gehen wir ebenfalls mit neuen Ideen ans Spenden sammeln. Gene Hashmi, ein junger Journalist, hat sich stark mit der Camphill Idee im allgemeinen beschäftigt und hat den neuen Text zu unserer Broschüre verfasst, die diesen Titel trägt: "Deep in the Heart of Nowhere" (Tief im Herzen von Nirgendwo). Hier ein Beispiel aus einem der kurzen Kapitel dieser Broschüre:

"Viel ist über das Thema Behinderung in diesem Land gesagt und geschrieben worden, aber lange nicht alles ist geklärt. Unser Land hat über 9 Millionen geistig behinderte Menschen. Das ist, bestenfalls, eine vorsichtige Schätzung. Die Menschen und Organisationen die qualifiziert sind, mit diesen Behinderten zu arbeiten, sind nicht ausreichend. Früher oder später leben Eltern und alte Freunde nicht mehr. Und was geschieht dann? Camphill wurde ins Leben gerufen, um sich mit solchen Situationen zu befassen. Und diese Situationen haben sich über die Jahre kaum geändert. Deshalb betrachtet Camphill auch nach sechzig Jahren seine Arbeit als kaum begonnen. Heute setzt Camphill seine Arbeit da fort, wo niemand sonst arbeiten will: "Deep in the Heart of Nowhere".

Der Aufwand an Zeit, Energie und Materialien für diese Broschüre war eine Spende von Gene und seinen Freunden. Wir werden diese Broschüre an Organisationen und Firmen in und um Bangalore verteilen.

Seit Mai haben wir eine "Action Group" die aus 7 Mitgliedern besteht und versucht sich um die notwendigen Schritte in dieser Pionierphase zu kümmern. Wir treffen uns alle zwei Wochen und  besprechen Themen wie Spendensammeln, Baufortschritt, Namen für unsere Gemeinschaft, Bewerbungen, usw. und die Arbeit ist interessant und eine Herausforderung. Wir bereiten uns auch auf die festliche Eröffnung unserer Wohngemeinschaft im April/Mai vor.

Eine Frau, Jaya Yegnaswamy, schreibt ein kurzes Stück für diesen Anlass. Es soll eine Aussage sein über unsere Mitmenschen,  die in Indien im Jahre 1999 mit geistiger Behinderung leben müssen. Wir wollen dieses Stück mit unseren zukünftigen Mitarbeitern und Behinderten aufführen.

Die Nachricht über unser Projekt verbreitet sich unter Eltern und Institutionen in Bangalore und so bekommen wir mehr und mehr Anfragen nach Informationen und Antragsformularen. Im newsletter der "Karnataka Parents Association for Mentally Retarded Citizens" wurde ein Artikel über unser Projekt veröffentlicht.
Zwei unserer holländischen Freunde von Camphill Christophorus haben uns während einer Indienreise in Bangalore besucht: Frans Josef van Nispen und Roderic Gradenwitz, der Vorsitzende der holländischen Foerdergruppe von "Friends of Camphill India. Wir zeigten ihnen unser Land und den Bau unserer Wohngemeinschaft und sie waren begeistert und halfen uns mit guten Vorschlägen, Ideen und moralischer Unterstützung!

Zur Zeit haben wir eine kleine, vorübergehende Tagesstätte eingerichtet. Eine 31 jährige Frau mit Down Syndrome ist schon bei uns und drei weitere Kandidaten haben sich beworben. Und zum Schluss noch die gute Nachricht, dass wir unser Land für 82 Jahre pachten können, für einen jährlichen Betrag von Rs. 100.00!

Vorerst befassen wir uns nicht mit der fernen Zukunft, sondern sind ganz im "hier und jetzt", voll Energie um bei der Geburt unseres Bangalore Projekts mitzuhelfen. 

Freunde, wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Im Namen aller Mitglieder der "Friends of Camphill India" senden wir viele Grüße von seinem sehr verregneten Bangalore.

Anantha und Francis Aradhya






Newsletter 2     [Anfang]



Liebe Freunde.

Es ist Anfang Dezember, die schönste Jahreszeit in Bangalore mit sonnigen Tagen, blauem Himmel und kühlen Nächten und nach der Regenzeit ist rundum alles wieder grün. Dies ist auch die Zeit wenn wir an Weihnachten denken und in unserer Tagesstätte wird Advent gefeiert mit  Singen bei Kerzenlicht und bald wird gebacken und unser Weihnachtspiel vorbereitet.

Im Moment haben wir vier Behinderte bei uns: Girly, Shalu und Adrian und dazu noch Susan, die uns für ein paar Wochen besucht und deren Eltern sehr daran interessiert sind, dass sie in unsere Wohngemeinschaft aufgenommen wird. Francis und Anantha planen den Tagesablauf mit großer Sorgfalt; ihre Kinder, Aruna und Padma, haben sich mit unseren Behinderten sehr gut angefreundet und es herrscht viel Fröhlichkeit wenn sie zusammen sind. Neulich gab es ein Picknick im Lalbagh Park und nach Spielen, Rennen und Badminton schmeckten die selbstgebackenen Pizzas sehr gut. Inzwischen wachsen die Gebäude unserer Wohngemeinschaft an der Bannerghatta Road und wir sind zuversichtlich, dass wir die Eröffnung Ende März 99 feiern können.
Wir haben Antragsformulare an Eltern verschickt, die einen Platz für ihre Kinder suchen, und wir suchen nach zukünftigen Mitarbeitern, die sich an unsere Arbeit gewöhnen und ein Teil unserer Camphill- inspirierten Gemeinschaft werden können. Gleichzeitig setzen wir uns mit Leuten in Verbindung, die uns finanziell unterstützen könnten und unsere Broschüre findet viel Anklang Wir sind tatsächlich schon weit vorangeschritten. Und da erheben sich Fragen: wie kam es zu all dem? Wer waren die Menschen hinter dieser Arbeit? Wann und warum begann alles? 

Es war im Oktober 1987 als ich in den USA war und mich mit Kumar Mal traf, einem alten Freund aus unserer Bombay Zeit. Er erzählte über sein Leben in einem Camphilldorf in Copake, N.Y., einer Wohngemeinschaft mit geistig behinderten Erwachsenen. Drei Jahre später kam er mit drei Freunden aus Camphill Copake nach Indien und während ihres Besuches in Bangalore wollten sie ähnliche Einrichtungen für Behinderte in unserer Stadt besuchen. Es gab nur sehr wenig das ich ihnen zeigen konnte. Sie luden mich nach Camphill Copake ein und im Sommer 1992 konnte ich einen Monat dort leben und arbeiten - eine ganz neue und erfüllende Erfahrung für mich. Als Kumar Ende 1992 wieder nach Bangalore kam,  besprachen wir uns mit Freunden und der Gedanke, eine ähnliche Kommune hier aufzubauen, schlug Wurzeln.
Am 1. Februar 1993 registrierten unser langjähriger Familienfreund und Geschäftspartner in unserer Firma, V.R.Kalki Krishna, und ich unseren Trust "Friends of Camphill India" mit dem Ziel, eine Wohngemeinschaft mit geistig behinderten Erwachsenen aufzubauen. Wir wählten 7 Mitglieder: R.Ramchandra, Agraringenieur und Berater bei der UN (im Ruhestand) wurde Vizepraesident;Verena Ravikumar, eine Schweizer Freundin und Moebeldesignerin, übernahm das Amt der Sekretaerin, V.R.Kalki Krishna wurde zum Kassenwart gewählt und die weiteren Mitglieder waren P.N.Narayan Rao (Bankbeamter im Ruhestand), Dr. Sudharkar (pensionierter Arzt), Kumar Mal (Camphill Copake), Jayapriya Vasudevan (Beraterin für einen Verlag) und Ann Britto (Erzieherin). Die Verbindung zu den Freunden in Camphill Copake wurde immer enger und sie kamen immer wieder zu Besuch.

Roswitha Imegwu war 1991 hier und hielt die ersten Vorträge über Camphill Dörfer vor Gruppen, die mit geistig Behinderten arbeiteten. Penelope Roberts kam wiederholt und hielt den ersten Workshop über die Camphill Bewegung und Anthroposophie und förderte uns in der Idee, eine Tagesstätte einzurichten.
Im Sommer 1993 hatte ich noch einmal die Gelegenheit, einen Monat in Copake zu verbringen und im Januar 1994  eröffneten wir unsere erste Tagesstätte mit einem jungen indischen Paar als Hauseltern und einer kleinen Gruppe von Behinderten.
Es schien ein guter Anfang zu sein; es gab vielerlei Aktivitäten und das Interesse an unser Einrichtung schien zu wachsen, aber dann verließen die Hauseltern uns wieder;  Roswitha und Kumar, die aus Copake kamen um nun bei uns Hauseltern zu werden, konnten wegen Visaproblemen nur drei Monate bleiben; die Kosten für das gemietete Haus waren zu hoch und die Eltern unserer Behinderten hätten eine Wohngemeinschaft vorgezogen und so mussten wir, schweren Herzens, die Tagesstätte nach 14 Monaten wieder schließen.
Es wurde beschlossen, passendes Land für eine Wohngemeinschaft zu finden und so begann die lange Suche. Wir sahen unzählige Grundstücke rundum Bangalore aber keines schien richtig zu sein. Entweder stimmte die Gegend nicht, oder der Preis war zu hoch, oder die Besitzer wollten dann doch nicht verkaufen, und im Nachhinein scheint dies eine Zeit der Prüfung gewesen zu sein: Sollten wir wirklich eine Camphill Gemeinschaft in Bangalore aufbauen? War dies der richtige Zeitpunkt? Hatten wir genügend Ausdauer, Geduld und Kraft um unsere Pläne zu verwirklichen?
Inzwischen hatten wir Verbindung aufgenommen mit einem jungen Paar  in Holland, die dort in einer Camphill Gemeinschaft lebten und arbeiteten. Anantha Aradhya ist aus Shimoga, Karnataka, und seine Frau Francis von Holland. Sie haben zwei kleine Kinder, Aruna und Padma, und die ganze Familie wollte zurück nach Indien kommen und hier arbeiten. Das war ein Hoffnungsschimmer! Würden sie mit uns als zukünftige Hauseltern arbeiten?
Ungefähr zur selben Zeit traf V.R. Kalki Krishna Herrn P.J.Bagilthaya, eine bekannte Persönlichkeit in Bangalore, Philanthrop und an verschiedenen wohltätigen Einrichtungen beteiligt. Als dieser von unserer Landsuche hörte, empfahl er uns, den Arya Jnana Seva Ashram an der Bannerghatta Road anzuschauen, und sollten wir das Land  passend finden, könnten wir einen Teil pachten. Es brauchte nicht lange und wir fuhren hin und was wir sahen, schien die Erfüllung unserer Träume: Ein friedliches Gelände, mit einem kleinen Ganesha Tempel, einige Häuschen in denen rund 20 alte Menschen ihren Lebensabend verbringen und ein großes Stück freies Land, das darauf wartete, dass es bebaut und mit Leben gefüllt wird. Unsere Suche war zu Ende.

Nur zu gern nahmen wir Mr. Bagilthayas's Angebot an, fast 2 acres des Landes zu pachten und obwohl es dann noch einige Verzögerungen gab, konnten wir schließlich den Segen des Swamis, Oberhaupt des Ashrams, bekommen und  unsere Pläne für die Zukunft machen.

Nun folgten viele Sitzungen mit unserem Architekten, Georg Leuzinger,  und Peter Pavan, seinem Assistenten, die sich der Aufgabe, Pläne für  unser erstes Familienhaus und die Werkstatt zu entwerfen, mit großem Eifer und einem Auge für die kleinsten Details widmeten und so nahm unsere zukünftige Wohngemeinschaft konkrete Formen auf dem Papier an.
In der Zwischenzeit war die Aradhya Familie nach Shimoga gezogen und kam öfters nach Bangalore um mit uns über unser Projekt zu reden. Nachdem sie mehrere Monate in Indien verbracht hatten, war es für sie klar, dass ihre Zukunft in Indien liegt, und so flogen sie noch einmal nach Holland um dort ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Gleichzeitig konnten sie dort  ihre Freunde und Verwandte auf unsere Arbeit aufmerksam machen und sie begannen eine Spendensammlung, die später von Francis' Vater, Harry van Rijckevorsel, sehr erfolgreich weitergeführt wurde.
Er startete eine Foerdergruppe der "Friends of Camphill India" in Holland und durch ihre Spenden wurde der Bau unseres ersten Hauses ermöglicht. Unsere Freunde in Copake versprachen uns ebenfalls ihre Unterstützung, genau so wie eine Gruppe in Schottland und eine andere in Deutschland. Und V.R.Kalki Krishna brachte uns die gute Nachricht, dass sein Lions Club of Someshwarapura (Bangalore) anlässlich ihres 25 jährigen Bestehens unser Werkstattgebäude finanzieren werden.

Der winzige Samen der im Februar 1993 gesät wurde, und der so viel geduldige Pflege gebraucht hatte, begann endlich zu sprießen.

Am Sonntag, 19.April 1998, feierten wir den Bhomi Puja auf unserem Land: die Bauwerkzeuge wurden gesegnet und der erste Spatenstich getan; eine farbenfrohe Zeremonie im Kreise von vielen Freunden, die alle in irgendeiner Weise mit unserer Arbeit zu tun hatten. Danach wurde sofort mit dem Bau unseres ersten Hauses und der Werkstatt begonnen und der schnelle Fortschritt ist unserem Bauleiter, A. Sukumar, zuzuschreiben, dessen Interesse sich nicht auf den Bau allein beschränkt, sondern der auch das zukünftige Wachstum unserer Gemeinschaft begleiten möchte.
Er nahm gerne unsere Einladung an, Mitglied unseres Trust zu werden, zusammen mit Dr. C.D.Sasi Kumar, einem Arzt im Ruhestand und B.R.Madhava Rao, einem pensionierten Flugzeug Ingenieur.

Die Arbeit geht auch auf anderen Ebenen weiter.
Wir haben Formulare an Eltern von behinderten Personen verschickt, die nach einem Platz in einer Wohngemeinschaft für ihre Söhne oder Töchter suchen und wir versuchen, Leute zu finden, die an unserer Arbeit interessiert sind und als Mitarbeiter zu uns kommen wollen. Gleichzeitig intensivieren wir unsere Spendsammlung durch persönliche Kontakte mit Firmen rund um Bangalore und hoffen auf gute Ergebnisse.

Im Jahre 1939 wurde die erste Camphill Gemeinschaft von Dr. Karl Koenig in Aberdeen, Schottland,  ins Leben gerufen. Wir freuen uns auf die Eröffnung unserer Gemeinschaft in Bangalore, sechzig Jahre später,  im März 1999. 

Im Namen der Friends of Camphill India wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachten und ein friedliches Neujahr.

Ursula Chowdhury



Newsletter 3     [Anfang]


Liebe Freunde.

Grüße von den Friends of Camphill India in Bangalore!

Wenn wir auf die vergangenen sechs Monate zurückblicken, dann können wir sagen, dass wir Fortschritte gemacht und  Ziele erreicht haben. Dass sich Einiges getan hat. Unser erstes Haus und die Werkstatt wurden langsam fertig und während der vielen Besuche dort wurde so manches besprochen:  Die Farben für Wände und Böden, die Einbauschränke, die Planung der Küche, ein Solar System für die Heißwasseraufbereitung, der Bau eines Wasserturms, um die Wasserversorgung zu sichern, und die Bohrung eines Tiefbrunnens: Fast 60 Meter tief.
Das Wasser ist rein und schmeckt köstlich. Am Ende unseres Grundstücks wurde ein Teich gegraben und die Erde benützt um den Bereich vor den Gebäuden zu ebnen.
Um die großen Entfernungen leichter zu bewältigen, kauften wir über einen Bekannten einen gebrauchten Jeep. 

Unsere "Trustees" und die Action Group trafen sich regelmäßig und in der Tagesstätte herrschte reges Leben.
Interviews wurden abgehalten mit Eltern, die einen Platz für ihre Kinder in unserer Wohngemeinschaft suchten, und wir fanden vier junge Männer die als zukünftige Mitarbeiter zu uns kamen.
Francis und Ursula machten viele Einkauftrips in die Stadt, um alle die Dinge zusammenzusuchen, die für einen großen Haushalt gebraucht werden: Stühle, Matratzen und Kissen, Bettwäsche, Handtücher, Kochtöpfe, Teller und Tassen und viele, viele Meter Stoff, die dann zu Vorhängen vernäht wurden. Die Betten und Tische wurden am Bauplatz geschreinert.

Ende Februar begannen die Vorbereitungen für unsere Eröffnung.
Anantha machte in der Tagesstätte mit unseren Behinderten das Papier für die Einladungskarten in einem wunderschönen gelben Farbton, während die anderen das Programm für den Tag planten und eine Liste aller Gäste zusammenstellten. Shalu's Vater, Mr. Kumar, übernahm das Drucken der Einladungen und bald wurden sie verschickt.
Anantha und seine vier Mitarbeiter zogen eine Woche vor der Eröffnung hinaus in unsere Gebäude um das Haus für das Fest vorzubereiten und den ersten Gemüsegarten anzulegen.

Am 28. März versammelte sich die Gruppe von Besuchern: Rudolf Bitter von Christophorus, einer Camphill Gemeinschaft in Holland; Penelope Roberts und Roswitha Imegwu von Camphill Copake (USA), unser Ehrengast S. Venkatesh mit Vasanth Deshpande aus Pune und unsere lieben Freundinnen Angelika Mandaiker und S. Padmavathi aus Chennai.
Zusammen mit einigen guten Freunden von hier trafen wir uns morgens in unserem neuen Haus zur Grundsteinlegung.

Der Grundstein war ein kostbares Geschenk von unseren Freunden in Holland, ein Pentagondodekaeder aus Kupfer. Wir sangen "unser " Lied, ein Gedicht aus unserer Broschüre, das von Tine Bruinsma und ihren Kolleginnen in Hyderabad vertont wurde: "Not all who wander are lost" (nicht alle, die umherirren, sind verloren). 
Adrian, einer unserer zukünftigen Hausbewohner, rezitierte einen keltischen Haussegen und Anantha sprach ein Gebet in Kannada, unserer Landessprache. Francis erklärte die Zeremonie und ihre Bedeutung und Penelope sprach die Worte der Grundstein Meditation.
Eine Schriftrolle mit den Gebeten und allen unseren Namen wurde, zusammen mit Kristallen, in den Grundstein gelegt und dieser dann im Boden des Puja Raums von unserem Architekten, Georg Leuzinger, und Shirley Abraham, einer unserer Behinderten, versenkt.
Nach einem guten  Mittagessen, bei dem sich Besucher und Mitarbeiter in unserer Werkstatt trafen, waren wir bereit, die vielen Gäste für das weitere Programm zu empfangen.
Zufällig befanden sich noch mehr ausländische Camphiller in der Stadt, die zusammen mit vielen Freunden aus Bangalore und ihren Familien diesen Tag mit uns feierten. Bald waren die 150 Stühle, die unter einer Shamiana (Zelt) aufgestellt waren, besetzt.
Das Haus war festlich geschmückt mit bunten Bändern, über zweihundert Rosen (ein Geschenk von holländischen Freunden), Girlanden aus Mangoblättern und einem wunderschönen Rangoli.
Eine der älteren Frauen aus dem Seniorenheim neben uns zündete die Öllampe an und nachdem wir "unser" Lied gesungen hatten, konnte Ursula, die Vorsitzende unseres Trusts, die Besucher willkommen heißen. Danach erzählte sie zusammen mit Francis, über die Entwicklung unserer Kommune vom Beginn bis zum heutigen Tag.

 Die Freunde, deren Namen erwähnt wurden, waren eingeladen sich vorne auf die Treppe zu setzen und später wurde die große Gruppe fotografiert. Dann stellte Roswitha Imegwu unseren Ehrengast vor.
S. Venkatesh war vor vier Jahren in unserer ersten Tagesstätte, und nachdem seine Mutter unerwartet starb, kam er ganz zu uns. Inzwischen lebt er in Sadhana Village in Pune und wir waren glücklich, dass er zu diesem Anlass bei uns sein konnte.
Nach einer kurzen und besinnlichen Ansprache, enthüllte Venkatesh die Namen unseres Hauses und der Werkstatt und das rote Band, das quer durch die Einganstüre gespannt war, wurde durchschnitten. Unser erstes Haus heißt ANTARANGA (Sanskrit für Innerer Weg, das Herz, das Innere) und unsere Werkstatt, die in der Form eines Fünfecks gebaut ist, bekam den Namen PANCHANGA ( die fünf Elemente, Teile).
Jetzt wurden die Türen geöffnet und unsere Besucher konnten sich in den Gebäuden umschauen, sich bei Kuchen und kühlen Getränken erfrischen und einer Gruppe von jungen Leuten zuschauen, die einen Volkstanz aus Gujerat vorführte. Im weiteren Verlauf des Programms hielt Penelope Roberts einen kurzen Vortrag, wir konnten Grüße und  Glückwünsche entgegennehmen und schließlich endeten wir mit einem herzlichen "Dankeschön" an alle, die diesen Tag mit uns begangen hatten.

Am nächsten Morgen versammelte sich eine kleinere Gruppe noch einmal in der Halle unseres Hauses und einer der älteren Herren des Seniorenheims zelebrierte einen Puja (hinduistische Handlung) mit Gebeten und Opfergaben vor hinduistischen Götterbildern und dem Christusbild und weihte das Haus Antaranga für seine zukünftige Aufgabe.
Am nächsten Tag reisten die Gäste aus Chennai und Pune wieder ab und wir konnten noch eine entspannte Woche mit den Freunden aus dem Ausland verbringen.

Der Lalbagh Park wurde besucht, Einkäufe gemacht und die Abende vergingen mit langen Gesprächen und am Samstag gab es ein festliches Mahl und wir hielten einen "Bibelabend" ab, in der Tradition der westlichen Camphillgemeinschaften. Am nächsten Tag war Ostern und Aruna und Padma suchten eifrig nach Ostereiern und füllten ihre Körbchen.

Kurz danach verließen uns unsere Freunde und für uns begann der Alltag wieder.
Anantha und Francis mit ihren Kindern fuhren für ein paar Tage nach Shimoga und nach ihrer Rückkehr begann das Packen.
Am 26. April zogen sie nach Antaranga, ihrem zukünftigen Heim. Das Haus war noch lange nicht fertig und es begann eine schwierige Zeit ohne Wasser, häufigen Stromausfällen, einer behelfsmäßigen Küche in einem der Schlafzimmer und den ersten schweren Regen und Stuermen des Monsuns, während die Bauarbeiter noch dauernd aus- und eingingen.
Es brauchte Geduld und eine ganze Menge Humor, aber langsam wurde das Haus behaglich nachdem ein Zimmer nach dem anderen fertiggestellt, geschmückt und mit Leben gefüllt wurde.
Inzwischen haben wir viel Wasser, unserer eigener Stromanschluss sollte in Kürze gemacht werden und hoffentlich bekommen wir auch bald unser eigenes Telefon. Der Weg, der zum Haus führt, ist fast fertig und im Garten wachsen die ersten Gemüse, die eine Bereicherung der täglichen Mahlzeiten sind, da das Angebot auf dem Wochenmarkt im nahegelegenen Bannerghatta nicht sehr groß ist.
Während des Monsuns wollen wir Obstbäume und eine lange Reihe Kokospalmen pflanzen und natürlich viele Blumen. Die Setzlinge sind ein Geschenk von Gururaj Pagad, dem wir ganz herzlich danken.

Inzwischen ist es Juli und Antaranga ist Heimat für 15 Menschen geworden. Shirley, Shalu, Susan, Doyita, Sanjay und Ragavendra sind unsere behinderten Freunde; und unsere Mitarbeiter sind: Saji, Das, Helen, Caroline und die Aradhya Familie: Francis und Anantha mit ihren Kindern Aruna, Padma und Baby Uma, die am 20. Juni geboren wurde. Mutter und Tochter geht es sehr gut! Tag um Tag arbeiten wir daran, diese Gruppe von Menschen miteinander zu verbinden und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen. Dies geschieht vor allem durch gemeinsames Arbeiten. - Kochen, Saubermachen, die Wäsche erledigen und Gartenarbeit sind im Moment unserer Hauptbeschäftigung.
Wenn wir alle zusammensitzen (beim morgendlichen Gebet, während der Mahlzeiten oder bei den Teepausen) herrscht eine fröhliche Stimmung, es gibt viel Raum für den Austausch von persönlichen Interessen und es fehlt nicht an Humor. Es ist einfach herrlich, Gelächter durchs Haus klingen zu hören und Susan, Sanjay und Ragavendra sind manchmal richtige Clowns.
Es sieht so aus, als wenn sich alle recht schnell eingewöhnt hätten und wenn auch Sanjay versucht "Nachtwächter" zu spielen, Susan morgens einfach nicht aus dem Bett will und Shalu die gemeinsame Arbeit gelegentlich ablehnt, zeigen doch alle eine große Bereitschaft dazuzugehören und ein Teil des Lebens in Antaranga zu werden.
Ein großes Kompliment muss Anantha und Saji gemacht werden; die beiden haben seit März hart gearbeitet, um das Haus durch die ersten schwierigen Monate zu bringen.

So langsam haben wir genügend Arbeitskräfte: Das, ein erfahrener Mitarbeiter, ist seit dem 1. Juli bei uns; Caroline aus Holland ist für zwei Monate hier;  Helen Lorimer, eine junge Engländerin mit Camphillerfahrung kam am 7. Juli und will mindestens sechs Monate bei uns bleiben und in Kürze kommt ein junger Deutscher, Ulrich Gams, der seinen 15monatigen Zivildienst bei uns absolvieren wird.
Zwischendurch hatten wir spontane Hilfe von Steve (Sohn von Ann Britto), Verena (Volontaerin aus Deutschland) und Ottla (Freundin der Aradhyas aus Holland). Sie haben uns wieder verlassen und wir danken ihnen für ihre Hilfe.

In der nächsten Zeit wollen wir uns mehr oder weniger auf dieselben Bereiche konzentrieren wie in den vergangenen Monaten: Den Rhythmus innerhalb des Hauses aufzubauen und bedeutungsvolle Tätigkeiten für alle innerhalb der Gemeinschaft zu finden.
Panchanga, unser Werkstattgebäude, wird bis Ende des Monats fertiggestellt und als erstes wollen wir eine Töpferei einrichten. Kerzen- und Papierherstellung werden folgen und nachdem uns die Eltern von Susan, Mrs. und Mr. Modayil Philip, einen Webstuhl geschenkt haben, hoffen wir, so langsam auch mit Weben beginnen zu können.

Seit wir in Antaranga eingezogen sind, konnten wir intensive und bereichernde Erfahrungen machen und wir wollen nicht bei den Schwierigkeiten verweilen, denen  wir als Pioniere gegenüberstanden.
Aruna's Ausspruch  half uns über viele Hindernisse und unerwartete Verzögerungen hinweg. Er sagte einmal: "Gott will nur sehen, ob wir stark genug sind"! Und das ist wirklich wahr, denn wir sind alle dankbar und zufrieden, dass es uns erlaubt ist in Antaranga zu leben und wir die Möglichkeit haben, hier zu wachsen. Wir hatten schon viele Besucher und wir freuen uns über jeden weiteren  Besuch.

Nun hoffen wir, dass wir bald einen Anschluss an das Ashram Telefon bekommen.

Herzliche Grüße an alle von den Bewohnern des Hauses Antaranga!


Newsletter 4     [Anfang]


Liebe Freunde.

Die Bewohner von Antaranga senden wieder Grüße aus Bangalore.

Unser vierter Newsletter hat sich etwas verspätet. Bei der vielseitigen Arbeit in unserer Wohngemeinschaft bleibt wenig freie Zeit um hinzusitzen und über das Vergangene nachzudenken; wir leben so sehr im Hier und Jetzt und jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Und doch wurde uns gerade in den letzten Tagen, anlässlich unseres ersten "Geburtstages" , so richtig bewusst wie weit wir gekommen sind. Es ist fast nicht zu glauben, dass schon ein Jahr vergangen ist, seit wir die ersten Schritte in unser erstes Haus getan haben.
Unsere Gemeinschaft wächst mit jedem Tag und die Zahl unserer Behinderten hat sich vergrößert. Javeria, eine junge Muslimin ist jetzt bei uns und Babu, Rajendra und Unnikrishnan sind zu den Männern dazugekommen. Insgesamt haben wir nun neun Behinderte und bei der großen Nachfrage wird unser Haus bald voll besetzt sein. Wir haben viel Glück mit unserer Mitarbeitergruppe. Das und Saji aus Indien, Helen und Rahel aus England und Ulrich aus Deutschland, konnten mit Francis und Anantha einen guten Lebensrhythmus aufbauen; es wird zusammen gearbeitet, zusammen gefeiert und zusammen an kulturellen Veranstaltungen teilgenommen. Natürlich gibt es ab und zu innere Krisen zu bewältigen, aber im Ganzen gesehen können wir mit dem Wachstum im ersten Jahr sehr zufrieden sein.
Es gab viel zu feiern in den letzten Monaten  und es war von besonderer Bedeutung für uns, dass das erste große Fest eine Taufe war. Das dritte Kind von Francis und Anantha, Uma Michalja, wurde am 30. Juli 1999 von Anand Mandaiker getauft, einem Pfarrer der Christengemeinschaft Basel, der mit einer Gruppe Schülern aus der Schweiz und Deutschland in Indien reiste und an diesem Tag unsere Wohngemeinschaft besuchte.
Viele hinduistische und christliche Feste wurden innerhalb der Wohngemeinschaft gefeiert, und unsere Nachbarn, die Senioren des Ashrams, werden immer  miteinbezogen. Am Weihnachtsabend versammelte sich eine große Anzahl Eltern und Freunde um das Weihnachtsspiel zu sehen, bei dem alle unsere Hausbewohner mitwirkten. Viel Vorbereitung und Proben ging dieser Aufführung voraus und die strahlenden  Augen unserer Schauspieler zeigten so deutlich, wie stolz sie auf ihre Rollen waren.
Ende Februar 2000 hielten wir einen fünftägigen Workshop über Camphill Leben, Sozial Therapie und "die vier Temperamente". Dr. Nick Blitz und seine Frau Anne (beide von Camphill, Irland) und Angelika Monteux (Camphill Schotland) waren zu diesem Anlass bei uns und hielten Vorträge, leiteten Diskussionen und beantworteten viele Fragen. Die Tage begannen mit Yoga und einige der Themen wurden durch Eurythmie und Malen zum Ausdruck gebracht. Dieser Workshop war besonders für unsere Mitarbeiter sehr wertvoll, denn die Camphillidee ist noch relativ neu für sie, und auch die vielen Eltern, die teilnahmen, konnten dadurch einen besseren Einblick in unsere Arbeit gewinnen. Wir hoffen, dass wir weiterhin ähnliche Workshops abhalten können. Am letzten Tag kamen noch Aban und Dilnawaz Bana aus Bombay dazu, und ein Besucher aus der Schweiz, Johannes Glenk, der uns eine besondere Art der Massage zeigte.
Am 28. März konnten wir den ersten Jahrestag unserer Wohngemeinschaft feiern. Viele Eltern, Geschwister und Freunde waren versammelt; Susan hieß die Gäste willkommen, Shirley rezitierte unseren Haussegen nachdem Rajendra die Öllampe angezündet hatte, und dann wurden einige Teilnehmer gebeten, ein paar Worte zu diesem Anlass zu sagen. Helen sprach über ihre Erfahrung als Mitarbeiterin und die Herausforderung, in der Pionierzeit unserer Gemeinschaft mitzuwirken. Sarojini, eine der älteren Frauen des Seniorenheims, die bei vielen unserer Aktivitäten mitmacht, erwähnte die herzliche Beziehung zwischen uns als Nachbarn; Joe Fernandez, Vater von Doyita, brachte seine Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck über die erstaunliche Besserung, die er in seiner Tochter beobachtet, und Ursula, als Vertreterin des Trusts, sprach über den schönen Fortschritt innerhalb der Gemeinschaft in dieser kurzen Zeitspanne und bat die Eltern, bei unserer Spendensammlung mitzuwirken, damit die finanzielle Zukunft von Antaranga gesichert ist. Danach lud uns Francis ein, den  neugebauten Weg um die Werkstatt, den Anantha und seine Gruppe in den letzten Wochen angelegt hatten, zu begehen und dann führten unsere Bewohner einen Volkstanz vor, den sie unter der Leitung von Sindhu, einer Tanzlehrerin, in den letzten Wochen einstudiert hatten. Das Fest endete in der traditionellen Antaranga Weise  mit vielerlei Kuchen und kühlen Getränken. Die Arbeit in unseren Werkstätten wird vielseitiger. Vor Weihnachten stellten Das und Babu viele Kerzen her, die dann bei einem Bazar in einem Laden hier in der Stadt verkauft wurden. Helen hat zwei weitere kleine Webstühle und viel farbiges Garn gekauft und nun wird fleißig gewoben. Die ersten kleinen Vorleger gingen nach Holland wo sie von Peter Visser, einem  holländischen Volontär, der einen Monat bei uns verbrachte, verkauft wurden. Saji macht mit einer anderen Gruppe Tonarbeiten und hat auch einen kleinen Brennofen gebaut. Die ersten Erzeugnisse wurden zusammen mit weiteren Webarbeiten während unseres Jahrestages verkauft. Die Gartenarbeit steht natürlich weiterhin an erster Stelle; unsere Obstbäumchen wachsen langsam in die Höhe und das tägliche Giessen ist jetzt während der heißen Sommertage eine harte Arbeit. Peter Proctor, Berater für bio-dynamische Landwirtschaft in New Zealand, besuchte uns im Winter und half uns, den ersten bio-dynamischen Komposthaufen anzulegen. In den letzten Monaten kamen immer wieder Besucher aus dem Ausland. Manche verbringen ein paar Tage bei uns, andere nur ein paar Stunden und wir freuen uns immer wenn wir ihre positiven Kommentare hören. Franz Jozef van Nispen und Roderic Gradenwitz, Familienfreunde der Aradhyas, waren aus Holland hier und auch die Eltern von Francis, Harry und Paula van Rijckevorsel und Bruder Paul mit seinem Sohn Guido.
Immer wieder bekommen wir Unterstützung von verschiedenen Seiten und das sehr oft in konkreter Form: Dr. Nick Blitz brachte uns ein großes Paket an Medikamenten aus England - ein Geschenk von Weleda. Unsere Freunde in Holland unterstützen uns weiterhin mit sehr großzügigen Geldgeschenken und weitere Spenden kamen von Freunden in Schottland, Deutschland, der Schweiz und den USA. Gönner in Deutschland haben eine "web Site" für uns eingerichtet (www.friends-of-camphill-india.de) und ein Besucher, dem unsere schwer arbeitenden Gärtner leid taten, kam das nächste mal mit einem Schubkarren zurück. Diese großzügigen Gesten sind für uns eine stete Ermutigung und wir sind all unseren Spendern sehr dankbar.
Jetzt hat das zweite Jahr für uns begonnen und wir blicken mit Zuversicht voraus. Wir hoffen, dass unser Haus bald drei weitere Behinderte aufnehmen kann und wir bereiten uns darauf vor, eine neue Gruppe von ausländischen Mitarbeitern zu empfangen. Bald geht der Aufenthalt von Helen, Rahel und Ulrich zu Ende und wir müssen sie verabschieden. Wir sind ihnen dankbar für ihren vielseitigen Beitrag zu unserer Wohngemeinschaft und wünschen ihnen alles Gute für ihre Zukunft. Gleichzeitig sind wir froh, dass unsere indischen Mitarbeiter weiterhin bei uns bleiben werden.
Gleich nach Ostern wird der ganze Antaranga Haushalt eine Woche Ferien machen. Die Eltern von Susan, Herr und Frau Philips, haben uns alle nach Conoor in den Nilgiris eingeladen. Danach beginnen die Sommerferien für alle, und wir werden Zeit haben, frische Kräfte zu sammeln und uns auf das neue Jahr vorzubereiten.

Alle Bewohner von Antaranga wünschen ihnen ein fröhliches Osterfest!




Newsletter 5     [Anfang]

Liebe Freunde.

Das Kalenderjahr geht seinem Ende zu. Wir haben mit den Vorbereitungen für unser Weihnachtsspiel begonnen und erwarten viele Gäste zu unserer Weihnachtsfeier. Dieses Jahr wird Rachel die Maria spielen, eine 30jaehrige junge Frau mit Downsyndrom, die erst vor kurzem zu uns kam. Da sie weder hören noch sprechen kann, haben die Proben eine ganz besonders intensive Stimmung. Wir hoffen, dass Rachel eine schöne Maria sein wird. 
In unserem Haus leben nun sechs Frauen mit Behinderungen: Shalu, Susan, Shirly, Doyita, Javeria und Rachel  und drei weitere stehen auf der Warteliste. Bei den Männern sind Raghavendra, Unnikrishna, Rajendra und Sathya, 24 jährig, der seit einem Monat bei uns lebt. Unsere Mitarbeiter sind gleichgeblieben: Saji, Dass, Mary, Francis und Anantha (und natürlich die Kinder Arun, Padma und Uma). Wir haben neue Voluntaere: Florian und Benjamin aus Deutschland, die bei uns ihren 13 monatigen Zivildienst machen, und dazu Christine und Daniela aus Deutschland und Sarah aus Belgien, die drei Monate bei uns mitarbeiten. Und dann dürfen wir Ladu aus Goa nicht vergessen, der uns für 5 Monate seine Dienste angeboten hat.

Das Gebet meiner Eltern wurde erhört - von Sumesh Wadhera, Bruder von Shalu

Meine Verbindung zu den Menschen in Camphill India ist fast fünf Jahre alt, aber erst in den letzten 18 Monaten bin ich ihnen näher gekommen und habe sie besser kennen gelernt. Das war zu dem Zeitpunkt als sie in ihr neues Gebäude an der Bannerghatta Road gezogen sind. Während meiner Besuche dort habe ich entdeckt, wie die Menschen in Camphill als Großfamilie leben, so verbunden miteinander, so normal, so zuversichtlich und fröhlich. Ich denke, das verdanken wir dem hingebungsvollen Team von Mitarbeitern, das in so kurzer Zeit diese Wohngemeinschaft aus dem Nichts aufgebaut hat. Die Behinderten werden mit so viel Liebe und Verständnis umgeben und ich war besonders beeindruckt von der Sauberkeit im ganzen Haus. Meine Schwester Shalu war eine der ersten, die dorthin zog und ich muss zugeben, die Besserung und Veränderung in ihrem Wesen ist etwas Unglaubliches. In den letzten zwei Jahren ist sie eine andere Person geworden. Sie ist jetzt ein viel fröhlicheres, zufriedeneres und zuversichtlicheres Mädchen. Meine Eltern, die sich Sorgen um Shalu's  Zukunft machten, haben das Gefühl, dass ihr Gebet erhört worden ist. Jetzt kommt Shalu in den Ferien heim, erzählt uns wie sie alleine schläft, wie sie ihre Sachen selbst versorgt, wie sie Yoga mitmacht und wie sie mit allen in Camphill auskommt. Besonders wichtig empfinden wir, dass sie nun viel besser begreift und wir ihr Dinge besser verständlich machen können. Wenn sie zu hause ist, dann redet sie von Francis, Paddi, Dass und Shirly und nach einer Woche Ferien freut sie sich, wieder zu ihrem wahren Heim zurückzugehen. Meine Schwester Shika und mein Schwager Nayan sind ebenfalls sehr beeindruckt von den Menschen in Camphill India. Meine Eltern und ich sind Camphill wirklich dankbar und wir beten, dass ihnen noch lange die Kraft und Ausdauer gegeben werde, ihre Arbeit fortzusetzen. Ich wünsche mir, dass Shalu immer froh und lachend sein kann.


Zivildienst im Ausland - von Florian und Benjamin

Zuerst möchten wir sagen, dass wir glücklich sind über unsere Entscheidung, unseren Zivildienst hier zu absolvieren. Da wir in Deutschland nicht zum Militär gehen wollten, sind wir  nun hier als Mitarbeiter für 13 Monate. Wir machen vor allem  Gartenarbeit und es macht Spaß, Bananen, Erdnüsse und Erdbeeren anzupflanzen. Die Gesellschaft der behinderten Freunde gibt uns die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und unseren Horizont zu erweitern. In dieser netten Umgebung werden wir die 13 Monate bestimmt gut verbringen. Was uns besonders gefällt, ist in dieser heimischen Atmosphäre zu leben, anstatt in einer großen Institution wo man sehr allein wäre. Und wir sind auch gerne in einer jungen Gemeinschaft, wo wir mithelfen können, für die Zukunft zu bauen.


Panchanga - von Saji, unserem Mitarbeiter in der Töpferei

Panchanga ist der Name unseres Werkstattgebäudes, das eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt. Es gibt vier Räume die Anila, Agni, Jala und Pruthvi heißen. In diesen Räumen gibt es eine Papierwerkstatt, es werden Kerzen gemacht, es wird gewoben und getöpfert. Wir arbeiten nicht so schnell. Manchmal brauchen wir eine Woche für eine kleine Matte, oder zwei Tage um ein Stück Papier in kleine Stücke zu zerreißen oder zwei Tage um einen Kerzenständer zu töpfern. Aber wir freuen uns über diesen Lernprozess. Für den einen ist die Unterhaltung und der Spaß wichtiger, für den anderen ist das der wahre Arbeitsgang. Dies ist ein lebhafter Ort und es gibt immer viel zu tun. Es ist wichtig für uns, dass unsere behinderten Freunde mit der einen oder anderen Arbeit beschäftigt sind. So dass sie wissen, dass sie etwas Sinnvolles in der Gruppe machen und dass sie darauf stolz sein können. Einmal in sechs Wochen versammeln wir uns alle und zeigen die Dinge, die wir produziert haben. Es ist schön, die Freude eines jedes zu sehen, wenn die Arbeiten angeschaut und besprochen werden und sie Anerkennung dafür bekommen. Ich kann nicht behaupten, dass nur wir Mitarbeiter für die Fortschritte, die unsere Behinderten machen, verantwortlich sind. Sie selbst wollen sich verbessern! Und das inspiriert uns, zusammen zu arbeiten und mit jedem Tag mehr zu leisten.

Grüße von Susan


Hallo, Freunde!
Mein Name ist Susan Philip. Ich bin 33 Jahre alt. Ich koche, webe, arbeite im Garten, putze, mache Yoga, Drama und Singen. Ich habe viele Freunde hier, vor allem Anantha. Mein Leben hier gefällt mir. Manchmal gehe ich nach Domlur zu den Eltern von Shirly. Was soll ich sonst noch schreiben? Ich weiß nichts mehr und so grüße ich euch und wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest. 

Susan


Zum Abschluss dieses Newsletters hier noch einige Ankündigungen und Erinnerungen:

*Im April 2000 machte das ganze Haus Ferien in Connor. Dank an Mrs. und Mr. Philip, Eltern von Susan, die dies möglich machten. Wir hatten eine herrliche Zeit dort.

*Am 2. Juli 2000 hatten wir unser jährliches Eltern/Geschwister Treffen. Die Eltern sprachen über das veränderte Leben zu hause ohne ihre Söhne oder Töchter. Es wurde beschlossen, eine Spendensammlung zu starten und anlässlich unseres zweiten Jahrestages im März 2001 eine Broschüre herauszugeben, zu der die Eltern Anzeigen beitragen werden. Ein Elternteil schlug vor, die monatlichen Beiträge af Rs. 2750.--  zu erhöhen und dies wurde akzeptiert, soweit es für die anderen Eltern finanziell möglich ist. 
*Wir hatten wieder Besuch von den Eltern von Francis. Harrie, der Vater, baute eine Doppelschaukel vor dem Haus auf, die jetzt von Jung und Alt benützt wird, und überall wurden neue Regale angebracht. Noch einmal herzlichen Dank! 
*Peter Proctor und seine Frau Rachel besuchten uns wieder und halfen uns mit bd-Preparationen im Garten. Die Gartengestaltung geht weiter; die Obstbäume gedeihen, die ersten Bananen reifen und wir haben schon Bohnen, Kohlrabi, Karotten, Rote Beete und Chillies aus eigenem Anbau gegessen.

*Einige großzügigen Spenden machten es möglich, dass wir einen neuen Gasherd, noch eine Waschmaschine und einen gebrauchten Kühlschrank kaufen konnten und unser Jeep bekam Reifen und einen neuen Anstrich. Wir danken allen Spendern!

*Im Februar 2001 werden wir unseren zweiten Workshop über Sozial Therapie abhalten. Wir werden uns mit diesen Fragen beschäftigen: Wie kann eine Großfamilie mit Behinderten auf geistiger, therapeutischer, künstlerischer und wirtschaftlicher Ebene geführt werden? 

*Gute Neuigkeit: Ursula wird nach sechs Monaten Urlaub bald wieder hier sein. Wir freuen uns!

Liebe Freunde, wir denken in Freundschaft und Dankbarkeit an Sie und wünschen Ihnen gesegnete Weihnachten und ein erfülltes Jahr 2001.

Mit freundlichen Grüßen

Francis Aradhya
im Namen von Friends of Camphill India






Newsletter 6     [Anfang]

Liebe Freunde.

Ein Newsletter wie dieser kann niemals alles vermitteln, was sich in unserer Wohngemeinschaft während der letzten sechs Monate getan hat. Ich werde jedoch versuchen, einen Eindruck der wichtigsten Ereignisse zu geben.
Was uns alle sehr bewegt hat, war der unerwartete Tod unseres Freundes Raju, der 18 Monate bei uns lebte. Mehr darüber etwas später.
Im Januar 2001 hatten wir mehrere behinderte Männer zu einer Probewoche bei uns und schließlich beschlossen wir, Narahari (42 Jahre alt) und Shankar (31 Jahre alt) in unsere Wohngemeinschaft aufzunehmen und mit ihnen das letzte Zimmer auf der Seite der Männer zu füllen. Nun war unser Haus mit 12 behinderten Männern und Frauen voll besetzt.
Narahari wurde ohne Gehör geboren, konnte nicht sprechen und durch eine Anzahl unglücklicher Vorfälle begann er auch sein Augenlicht zu verlieren. Trotzdem sucht er sich tapfer seinen Weg und mit seinem geringen Sehvermögen lernt er zu weben und töpfern und hilft die tägliche Wäsche zu falten. Er hat sich inzwischen sehr gut eingelebt.
Shankar kommt aus Mysore und obwohl er recht klug ist, vermittelte er uns gleich bei der Ankunft diese Botschaft: Gott hatte ihm zwei Hände gegeben; die eine zum Essen und die anderen um seinen Po zu putzen und zu keinen anderen Tätigkeiten! Shankar wurde zwar im Januar angenommen, kam dann aber erst im Juni zu uns und nach seinem ersten Probemonat stellen wir fest, dass er ein lustiger Bursche ist. Er ist recht sprachgewandt und hat nun auch schon gelernt, dass er beide Hände zu allen möglichen Arbeiten benutzen kann.
Am 3. Februar 2001 hatten wir 60 japanische Besucher. Die Gruppe kam zu einem Yogakurs nach BANG ALORE und unser Yogalehrer, Murai, brachte sie zu uns. Es war ein kulturelles Erlebnis mit einer indischen Tanzvorführung von unserer Seite und japanischen Liedern von Seiten der Gäste. Mit ihren vielen Kameras und Videogeräten waren sie ein ungewohntes Bild für uns, sie stellten jedoch viele interessierte Fragen, gaben uns großzügige Spenden und kauften fast alle Produkte aus unserer Werkstatt.
Anfang Februar besuchte uns Frau Vidhya Murthy, eine Sprachtherapeutin. Sie machte Tests mit unseren hör- und sprechbehinderten Leuten und gab uns gute Ratschläge. Zu unserer Überraschung beginnt nun Sathya, der zwar gut hören aber nicht sprechen kann, Laute von sich zu geben und einfache Worte zu wiederholen.
Vom 21. bis 28. Februar 2001 hielten wir wieder unseren jährlichen Workshop in Sozial Therapie ab. Penelope Roberts von Camphill Copake, Frans Jozef van Nispen aus Holland, Aban und Dilnawaz Bana von Mumbai und Murai Nobuyoshi arbeiteten mit uns und ohne in die Einzelheiten des Workshops zu gehen, können wir sagen, dass es vor allem für unsere Mitarbeiter eine sehr positive Erfahrung war, mehr über das Leben und Wirken in der Gemeinschaft durch sozial therapeutische Methoden zu lernen. Wir stellten fest, dass die intensive Arbeit während dieser Zeit ganz besonders Shirly viel geholfen hat.
Kurz danach besuchten uns Peter Proctor und Rachel. Der Garten bekam wieder bio-dynamische Präparate und unsere Gärtner gute Ratschläge.
Im März 2001 wurde unsere Wohngemeinschaft 2 Jahre alt. Obwohl wir die Feierlichkeiten einfach gehalten haben, war es ein schönes und festliches Ereignis und unsere Gäste, Roswitha Imegwu und Kumar Mal von Camphill Copake (Mitbegründer unseres Trusts) und Margret Shillan (eine enge Freundin der Aradhyas), machten diesen Tag noch spezieller. Zu diesem Anlass wurde auch unsere Camphill Broschüre verteilt, die sehr professionell und künstlerisch gestaltet war und uns auch einiges an Geld einbrachte. Wir danken Shashi und Sumes Wadhera von Triple Ess Advertising und allen Eltern und Freunden für ihre Unterstützung und hoffen, dass wir diese Spendenaktion im nächsten Jahr wiederholen können.
Dann begannen die Sommerferien und die Aradhya Familie flog für 2 Monate nach Holland um Urlaub zu machen und Spenden zu sammeln. Ein besonderes Ereignis während dieser Zeit war der 40ste Hochzeitstag ihrer Eltern.
Francis nahm an einem eindrucksvollen Workshop für “Hausmuetter” in Aberdeen, Schottland, teil und am 12. Mai fand in der Heimatstadt von Francis’ Eltern ein “Indientag” statt. Diese sehr erfolgreiche Veranstaltung wurde von Paula und Harrie van Rijckevorsel (Eltern von Francis) und Nel van der Werf, Mitglieder des holländischen Trust für “Friends of Camphill India”, in die Wege geleitet. Viele Freunde und Verwandte waren an der kreativen und farbenfrohen Darstellung der verschiedenen Aspekte unserer Kommune beteiligt und der Videofilm, den Murai gedreht hatte, und die Imbisse, die Anantha und Su, ein in Holland lebender Inder, zubereitet hatten, fanden großen Anklang. Es wurde sogar ein Bharat-Natyam Tanz vorgeführt und die vielen indischen Waren fanden schnelle Abnehmer. Unter den mehr als 250 Besuchern befanden sich auch einige unserer ehemaligen Mitarbeiter in BANGALORE: Caroline, Peter, Uli, Sarah und Manuela. Dieser Tag hat unsere Verbindung zu den über 100 Spendern in Holland erneut gefestigt, wir konnten neue Spender dazugewinnen und erhielten großzügige Beiträge. Wir sind froh, dass wir uns auch in Zukunft auf Unterstützung aus Holland verlassen können und an dieser Stelle möchten wir allen unseren Freunden dort unseren herzlichsten Dank ausdrücken.
Während der Abwesenheit von Francis, Anantha und den Kindern wurde unsere Wohngemeinschaft durch unsere Mitarbeiter sehr gut versorgt. Arokiadas hatte die Oberaufsicht und wurde tüchtig unterstützt von Saji, Florian, Benjamin, Helen (die für diese Zeit extra aus England kam), Lidwina aus Holland und Anna aus Deutschland. Wir danken ihnen für ihre sorgende Unterstützung, die es ermöglichte, dass die Aradhyas ihren Urlaub unbeschwert genießen konnten.


Rajendra Manvikar (Raju)


Wir kamen am 24. Mai zurück und noch während unserer Abwesenheit kamen beunruhigende Nachrichten von Antaranga, dass es Raju nicht sehr gut gehe. Nach unserer Rückkehr sahen wir, dass die Sorge um unseren Freund berechtigt war. Er war sehr schwach geworden und brauchte Pflege rund um die Uhr.
Am 30. Mai 2001 bestand Raju darauf, am morgendlichen Gebet teilzunehmen, obwohl er am Tag davor nicht mehr die Kraft hatte, allein zu gehen. Kurz danach führte Ladu, einer unserer Mitarbeiter, Raju zurück in sein Zimmer und gab ihm seinen Morgentee und Kekse. Raju trank schnell seinen Tee, klopfte Ladu auf den Rücken und sagte: “ich möchte jetzt schlafen”. Ladu half ihm noch sich hinzulegen und in seinen Armen schlief unser Freund für immer ein. Alle Hausbewohner verbrachten die nächsten Stunden mit Gebeten, Singen und Lesen aus der Bhagavad Gita an Raju’s Bett, bis dann seine Familie kam und ihn mitnahm.
Wir haben einen guten Freund verloren und wünschen ihm den Frieden und das Licht nach dem er sich gesehnt hatte.
Einige unserer Eltern zeigten Besorgnis als sie vom plötzlichen Tod Raju’s hörten und so wollen wir bei unserem nächsten Familientreffen (Anfang August) diesem Thema Zeit widmen, so dass Fragen gestellt und beantwortet werden können.
Im vergangen Monat erhielten wir viele neue Bewerbungen und nun ist Kanav, ein 18 jähriger junger Mann aus Delhi, zur Probezeit bei uns und unser Haus ist wieder voll.
Inzwischen wurden auch die ersten Schritte zum Bau unseres zweiten Familienhauses getan und wir sind dabei, die Pläne mit unserem Architekten, Bauleiter und den Trustees zu besprechen. Wir hoffen, mit dem Bau im Oktober 2001 beginnen zu können.
Am 13. Juni hatten wir eine Sonderbesprechung mit unseren Mitarbeitern und da hörten wir von Arokiadas und Ladu, dass sie sich auf eine längere Arbeitsperiode bei uns festlegen wollen. Arokiadas hat nun auch seine Frau und Tochter zu uns gebracht und wir heißen beide herzlich willkommen.
Gleichzeitig teilten uns Saji und Helen mit, dass sie ab September 2001 das dreijährige Seminar in Sozial Therapie in Camphill Copake, USA, absolvieren können. Wir freuen uns mit ihnen und wünschen ihnen alles Gute dazu.
Liebe Freunde, wir danken Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.

Herzliche Grüße von allen in “Friends of Camphill India”.

Francis Aradhya






Newsletter 7     [Anfang]

Liebe Freunde.

Ist es nicht ein unglaubliches Phänomen, dass diese Jahreszeit so reich gefüllt ist mit Festen fast aller Religionen? Dassara und Diwali für die Hindus, Advent und Weihnachten für die Christen, Ramzan für die Mohammedaner und Hanukkah für die Juden….

Und soweit wir diese Feste verstehen, haben sie alle eine Beziehung zu dem gleichen Thema: DAS LICHT VERTREIBT DIE FINSTERNIS. Wir können nur hoffen, dass das intensive Feiern dieser Festtage eine starke positive Energie schafft, zum Wohl der allgemeinen Weltsituation und für die einzelnen menschlichen Schicksale.

Jetzt sind wir schon mitten in der Adventszeit und davor feierten wir Dassara und Diwali auf schöne Weise. Diwali war sehr vielseitig. Beim Puja wurde eine eindrucksvolle sanfte Kuh im Freien gewaschen und dann im Haus verehrt und gefüttert (dass sie uns mit ihrem Segen belohnt hat, sieht man noch an den verschiedenen Wänden); Anantha’s Schwester Nalini untermalte die Handlung mit wohlklingenden religiösen Liedern; es gab köstliches Essen und die Kinder Arun, Padma und Asmi malten schöne Bilder von verschiedenen Diwaligeschichten über Rama und Sita, Laxmi und Bali. Und natürlich leuchteten am Abend viele selbstgemachte Diyas (Öllämpchen).

Der Tag endete mit einem prächtigen Feuerwerk und wir müssen zugeben, dass an diesem Abend unser Umweltbewusstsein in Tiefschlaf verfiel.

Wie so oft, hatten wir auch in den letzten sechs Monate viele Besucher. Um nur einige davon zu erwähnen: im August 2001 beschenkten uns Ma Narmadha und Swami Sethuram mit einem interessanten workshop über “pranic healing”. Im November hatten wir Besuch von Aban Bana, die Rosselke Zech (eine anthroposophische Ärztin) und Guy Wertheim (Direktor von Weleda Sued Afrika) mitbrachte. Mit ihnen hielten wir einen eintägigen Workshop ab über “gesunde menschliche Entwicklung und ihre Störungen”. Und zu unserem Glück konnten wir auch wieder Rachel und Peter Proctor, Berater in bio-dynamischem Gartenbau aus New Zealand begrüßen.

Wenn wir schon von bio-dynamischem Gartenbau reden, wollen wir auch das Neueste über unseren Garten berichten: dank der schweren Arbeit, die unsere letzten Zivis, Benjamin und Florian, geleistet haben, genießen wir nun unsere eigenen süßen Papayas, Bananen, viele Kilo Bohnen, Basilikum, Petersilie, Kartoffeln, usw., und wir hatten auch eine gute Ragi Ernte.

Am ersten Samstag im Dezember nahmen wir an dem “United Charities Bazaar” im Zentrum von Bangalore teil. Wir verkauften selbstgebackenes Brot und Gebaeck, organisches Basilikum, Täschchen, Puppen, Schwimmkerzen, Pflanzen, Perlenketten, Produkte aus unserer Töpferei und Babykleidung. Es war eine lohnende Erfahrung für alle, die daran mitgearbeitet haben und wir danken vor allem Verena, die das ganze so gut organisiert hatte. Danach bleiben uns nun Erinnerungen an viele interessante Gespräche, viel Lachen und Einnahmen von über Rs. 10 000.00!!

Am Tag darauf (Sonntag, 2.Dez.2001) feierten wir ein weiteres großes Ereignis. Wir konnten alle unsere Nachbarn, mehrere Trustees, unseren Architekten Georg Leuzinger, Bauunternehmer A. Sukumar, und einige Bauarbeiter willkommenheißen, um zusammen mit ihnen den Bhomi Puja (1. Spatenstich) für das zweite Familienhaus von Friends of Camphill India abzuhalten. Mr. Venkannaiah, unser Freund und Nachbar, zelebrierte den Puja mit großer Sorgfalt. Der Himmel war blau wie immer und unzählige Libellen schwirrten um uns herum. Wir konnten spüren wie unser zukünftiges Haus seinen Segen empfing und hoffen nun auf einen raschen und guten Fortschritt im Bauverlauf.

Jetzt im Dezember haben wir mit den Vorbereitungen für unser Weihnachtsspiel begonnen. Wir würden uns freuen, wenn wir viele von Ihnen am Heiligen Abend bei uns sehen könnten.

Und wer ist an all den Vorbereitungen beteiligt? Unsere neuen Mitarbeiter aus dem Ausland sind: Simon, Bettina und Oliver aus Deutschland, Helena aus der Tschechei, Christel aus Dänemark und Su-Jie aus S.Korea. Es ist wieder eine sehr dynamische und positiv eingestellte Gruppe die zusammen mit Ladu, Saji, Shanta, Das, Anantha und Francis ein gutes Team bilden.

Manche unserer Freunde werden fragen, wie es Saji und Helen ergangen ist. Leider konnte Saji kein Visum für die USA bekommen. Inzwischen ist Helen in einer Camphill Gemeinschaft in Schottland und wartet auf Saji, der ebenfalls ein Jahr als Volontär dort verbringen möchte. Saji ist mitten in den Vorbereitungen für diesen Schritt und wir hoffen, dass es dieses mal keine Schwierigkeiten mit seinem Visum gibt.

Jetzt möchten wir das neueste und jüngste Mitglied unseres Hauses vorstellen: es ist Neha Rane von Mumbai, ein reizendes, gesprächiges und sensibles Mädchen von 17 Jahren, die viel Freude in unsere Familie einbringt. Wir hoffen, dass sie sich bald ganz eingewöhnt hat.

Und hier das Neueste über alle, die nicht schon erwähnt wurden:

Shalu verbessert noch immer ihre Fähigkeit, Wäsche richtig aufzuhängen.

Shirly, Hari und Susan haben eine erstaunliche Menge an farbenfrohen Sachen in der Weberei hergestellt.

Kanav wurde zum “Zeremonienmeister” für alle Geburtstagsparties ernannt, da er sich anscheinend auf diesem Gebiet genauestens auskennt.

Sathya wird bei unserem nächsten Workshop in Sozial Therapie (1.-3.Jan. 2002) für unsere Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.

Rachel lernt sich in Zeichensprache zu verständigen und wir lernen alle mit ihr.

Vidhya Shankar hat sein Leben bei uns akzeptiert und versucht mitzuarbeiten wo immer er gebraucht wird (bzw. wo man seine Hilfe verlangt).

Unni Krishna überschüttet uns noch immer mit seinem eindrucksvollen Geschrei, aber sein charmantes Wesen gleicht alles wieder aus.

Wir haben entdeckt, dass Rhagavendra mehr trinkt als erlaubt ist! Die Tasse Tee, die er täglich zu Ratnamma, unserer Hilfe im Garten, hinausträgt, erreicht diese nur halbgefüllt! Die gute Nachricht ist, dass er noch immer finanzielle Unterstützung von seinen Freunden in der Stourbridge Community in England bekommt - wir danken ihnen dafür.

Javeria wird dieses Jahr die Maria in unserem Weihnachtsspiel sein und sie bereitet sich mit viel Mühe auf diese Rolle vor.

Durch ihre inspirierende Freude an all den kleinen Erfolgen im Leben, verbreitet Doyita fröhliche Stimmung wo immer sie mitarbeitet.

Und dann zuletzt: Adrian, der seit September 2001 als erster Behinderter nur tagsüber bei uns ist. Mit ihm beginnt eine neue Richtung in den Aktivitäten unserer Gemeinschaft.

Nur ein Name wurde noch nicht erwähnt, und das ist der von der kleinen Uma, die spielt und singt und wächst und die im Namen von uns allen sagt:

DIE BESTEN WÜNSCHE FÜR EIN WEIHNACHTEN UND NEUJAHR

VOLL LICHT UND FRIEDEN

 

 

 

Die ganze Antaranga Familie im September 2001






Newsletter 8     [Anfang]

Liebe Freunde.

Letzten Monat konnten wir eine wunderschöne Aufführung miterleben: “Earthsong” (Erdenlied), dargestellt von hundert Kindern und Jugendlichen verschiedenster Herkunft. Eine der Hauptmistspielerinnen war ein Mädchen mit unglaublich ausdrucksvollen Händen und Augen. Besonders eindrucksvoll an diesem Mädchen war die Tatsache, dass sie die Belastung durch ihre gelähmten Beine überwinden konnte und ganz verbunden war mit dem ungestörten, heilen Geist der so hell in ihr lebte.

In unserem nächsten Panchanga Meeting besprachen wir diese Aufführung und es kam zu einer interessanten Diskussion zwischen uns. Zwei rührende Beiträge waren von Neha und Adrian. Neha sagte: “ich habe mich nie behindert gefühlt. Es waren immer nur die Menschen um mich herum, die behaupteten, dass mit mir etwas nicht stimmt….”. Adrian fügte sehr ruhig hinzu, dass er behindert sei, da er einen Gehirnschaden habe….

Sagen uns diese beiden jungen Menschen nicht eine tiefe Wahrheit? Es ist eine große und wichtige Erfahrung mitzuerleben, dass nur das Instrument beschädigt ist und dass der Musiker selbst vollkommen und gesund ist…..



Narahari



Javeria

Es ist wieder ziemlich lange her seit unserem letzten Newsletter, aber ich kann bestätigen, dass jeder Tag dieser letzten 6 Monate beschreibenswert wäre!

Wir begannen das Jahr 2002 mit einem inspirierenden Workshop über Sozial Therapie unter der Leitung von Angelika Monteux aus Camphill Aberdeen. Ich möchte hier einen sehr interessanten Beitrag von ihr wiedergeben: “heutzutage versuchen wir angestrengt eine bessere Bezeichnung für unsere Freunde mit einem geistigen Handikap zu finden: geistig behindert, Menschen mit Lernbehinderungen, usw. usw. Aber was ist eigentlich falsch an diesem Wort “handicapped”. Dieser Ausdruck kommt ursprünglich aus der Welt des Sports. Bei einem Rennen zwischen mehreren jungen, kräftigen Pferden kann es sein, dass einigen Pferden, die eine sehr hohe Gewinnchance haben, ein “Handikap” gegeben wird; d.h. ein Extragewicht unter dem Sattel um das Rennen zu erschweren. Gibt das dem Wort “Handikap” nicht eine tiefere Bedeutung? Ein Handikap ist ganz sicher das Extragewicht, das den Lebenslauf schwieriger, härter ….. und reichhaltiger macht? Aus den Handikaps, die uns gegeben sind, können wir etwas Besonderes lernen und etwas Besonderes an andere weitergeben.

Am 31. März feierten wir unseren dritten Jahrestag. Gleichzeitig war es Ostersonntag, und so führten wir ein kurzes Spiel auf: “Der Hase im Mond”. Vijay Kaikini aus Mumbai (der kurz davor seine dreimonatige Probezeit bei uns antrat) spielte die Rolle des Brahma sehr überzeugend. Leider beschlossen seine Eltern später, dass sie ihren Sohn doch lieber in der Naehe von Mumbai haben wollten, und so reduzierte sich die Anzahl unserer behinderten Freunde zurück auf 13.

Auch bei unseren Mitarbeitern gab es Veränderungen. Mr. Das, der von Anfang an bei uns mitgearbeitet hatte, verlies uns zusammen mit seiner Frau und Tochter, da es einfach nicht möglich war eine Basis der Zusammenarbeit zu finden, die für beide Seiten befriedigend war.

Dann kam im März, wie ein Geschenk vom Himmel, Joy (26), ein junger Mann aus Kerala, zu uns und zwei Monate später der achtzehnjährige enthusiastische Baba aus Coorg. Und da wir schon von unseren indischen Mitarbeitern reden, müssen wir auch erwähnen, dass Mary nach einer fünfmonatigen Abwesenheit wegen schweren Rückenproblemen nun wieder bei uns ist und in der Küche für unser leibliches Wohl sorgt.

Unsere ausländischen Volontäre haben uns wieder voll unterstützt: Oliver aus Deutschland, Christel aus Dänemark (sie half Neha, die die Jüngste unter den Behinderten ist, sich schnell und gut einzuleben), Helena (Czech-Rep), Mei-Song (Korea) und Bettina (Deutschland), die ein ganzes Jahr bei uns war und nun auf dem Weg zum Emerson College in England ist. Simon, unser deutscher Zivi, ist mit seinem Jahr bei uns auch fast fertig und wird noch ein bisschen in Indien reisen, bevor er nach Hause fliegt. All diese jungen Leute sind ein Segen für uns. Sie sind sehr offen für Sozial Therapie und immer bereit, ihr Bestes zu geben. Wir danken ihnen allen und wünschen ihnen viel Gutes auf ihren weiteren Weg.

Eine neue Gruppe von ausländischen Mitarbeitern ist schon am Kommen und in unserem nächsten Newsletter werden wir mehr über sie berichten.

Während der Sommerferien konnten wir eine wohlverdiente Pause genießen, da wir ganz unerwartet Hilfe von Alex (USA) und Ross (Australien) bekamen, die Haus und Garten bestens versorgten. Wir sind ihnen sehr dankbar.

Mrs. Sarojamma, eine Nachbarin, gibt jeden Sonntagmorgen einer Gruppe unserer Freunde Englischunterricht und es wäre schön, wenn wir noch weitere solche Beiträge von unseren Nachbarn bekommen könnten.

Von unserem Trust gibt es eine traurige Nachricht: Zu Beginn des Jahres 2002 wurde Mr. Jathanna, Mitglied des Arya Jnana Seva Trust ( unsere Nachbarn), eingeladen, auch bei uns als Trustee mitzuwirken. Wir hofften auf eine effektive Zusammenarbeit mit ihm. Leider sollte es nicht so weit kommen. Zu unserem großen Leid erfuhren wir, dass Mr. Jathanna einen tödlichen Unfall hatte. Wir denken an seine Familie und wünschen ihr Kraft und Licht.

Am 9. Juni genossen wir ein außerordentliches Konzert von Mr. Vasudeva Rao, der auf der Mridangam spielte und von seinen Kollegen auf der Geige und anderen südindischen klassischen Instrumenten begleitet wurde. Einige unserer Nachbarn kamen auch in diesen Genuss. Ich muss sagen, dies war eine wirklich heilende Erfahrung.

Der erste Regen kam im Monat Mai und nach fünfstündigem Regenguss erlebte unser Garten eine dramatische Verwandlung. Eine Mauer unseres Brunnens war eingebrochen und wir konnten gerade noch die Wasserpumpe retten, und vom Neubau wurde Sand und Bauschutt über das Gemüseland geschwemmt, so dass der Garten neben Panchanga in eine Wüste verwandelt wurde! Die Macht des Wassers wurde uns deutlich vor Augen geführt.

Leider ist der Monsun, der normalerweise im Juni/Juli aus dem Westen kommt, bis jetzt nicht eingetroffen. Wir warten alle verzweifelt auf mehr Regen.

Die letzten Neuigkeiten betreffen unser zweites Haus. Wir können es kaum glauben, aber der Bau naht sich dem Ende. Die große Bautruppe von Mr. Sukumar (Bauleiter) und Mr. Leuzinger (Architekt) hat es wieder einmal geschafft, unseren Traum in ein großes schönes Gebäude umzusetzen. Zwoelf weitere Behinderte und eine Gruppe Mitarbeiter werden dort viel Platz haben. Wir hoffen, die Eröffnung im November 2002 feiern zu können. Die Warteliste für dieses zweite Haus ist schon recht lang und so bereiten wir uns darauf vor, das neue Haus mit Leben zu füllen. Bis jetzt stehen wir allerdings noch vor der großen Frage, wo wir zukünftige Hauseltern finden können. Vielleicht kann uns jemand helfen?

Wir gehen auf die Zukunft zu und werden bekannten und unbekannten Fragen gegenüber stehen…. Mitte dieses Monats haben wir wieder unser jährliches Treffen mit den Eltern und das ist immer ein schönes Ereignis. Dann arbeiten wir auf die Weihnachtsbazars hin, wo wir unsere Produkte verkaufen wollen…. und ganz tief in meinem Inneren klingt schon eine leise Melodie für das nächste Weihnachtsspiel.

All unseren Spendern, vor allem den Freunden von “Camphill Copake” und dem “Dutch Trust Friends of Camphill India”, die uns so großzügig bei der Finanzierung unseres zweiten Hauses unterstützt haben, möchten wir unseren innigsten Dank aussprechen.

Mit besten Wünschen an Sie alle,

Francis Aradhya

Im Namen von allen in Antaranga.







Newsletter 9     [Anfang]


Liebe Freunde.

Wir wissen, dass ein Newsletter schon lange fällig ist. Die Monate vergehen so schnell und sind angefüllt mit Ereignissen und Aktivitäten und so bleibt wenig Zeit um sich hinzusetzen und über die letzten Monate nachzudenken.

In den letzten Monaten des Jahres 2002 wurden die Bauarbeiten am neuen Familienhaus mehr oder weniger abgeschlossen. Das Gebäude ist Antaranga sehr ähnlich, mit einem geräumigen Wohnzimmer, einem offenen Innenhof von dem die Zimmer der Behinderten abgehen, und den Privaträumen der Hauseltern und ihrer Kinder im ersten Stock.  Neu hier ist das Untergeschoss, in dem die Zimmer für die Mitarbeiter untergebracht sind und auch ein sehr großer Raum für zukünftige Workshops, Seminare und gesellige Zusammenkünfte. Um die Vorderseite des Hauses läuft eine bedeckte Veranda von der aus man den Garten und die anderen Gebäude überblicken kann. Gleich unter diesem Haus liegt die “Abwasser-Aufbereitungs-Anlage” in der das Abwasser beider Familienhäuser und auch des benachbarten Seniorenheims auf natürliche Weise gesäubert wird, und wir hoffen dass wir damit die extreme Wassernot in unserer Gegend bekämpfen können und unsere Gärten wieder genügend Wasser bekommen. Dies ist ein ganz neuartiges Projekt, da es gleichzeitig Bio-Gas für die Küche produziert, und wir hoffen, dass auch andere Menschen davon inspiriert werden und Ähnliches aufbauen

 


Blick von Antaranga auf die Werkstatt (links) und Santvana (rechts)



Francis und Ursula mussten wieder einmal kräftig einkaufen, um all die Dinge herbeizuschaffen, die ein Haus gemütlich machen und bald hingen an den vielen Fenstern bunte Vorhänge, die Betten waren gemacht und viele Bilder schmückten die Wände. Anantha plante die Einrichtung der Küche und inzwischen kann dort eine Großfamilie bekocht werden und Frans-Jozef van Nispen, ein holländischer Künstler und Freund, verbrachte wieder einige Wochen bei uns und entwarf ein sehr schönes Kupfergefäß für den “Grundstein” und ein besonderes Fenster über dem Altar in unserer kleinen Gebetsecke.

Als uns Roswitha Imegwu und Kumar Mal von Camphill Copake, USA, wieder  besuchten, nahmen wir dies zum Anlass um die “Grundsteinlegung” für Santvana, unser neues Haus, am 23. Oktober 2002 zu begehen. Das Wohnzimmer war wunderschön geschmückt, unsere Hausbewohner, Mitarbeiter und Volontäre erwarteten die Gäste und es wurde musiziert, gesungen und geredet. Verschiedene Texte, die unsere Freunde für diesen Anlass geschrieben hatten, wurden vorgelesen und in das Kupfergefäß gelegt, das dann von unseren lieben Gästen in den Altar eingemauert wurde.

Am Sonntag, dem 1. Dezember 2002, wurde die Eröffnung von Santvana mit vielen Freunden, Eltern und allen Hausbewohnern gefeiert. Es war ein wunderschöner Tag. Nach einem reichlichen Imbiss, bei dem nebenher Produkte aus unseren Werkstätten verkauft wurden, begann die Feier. Dr. Shekar Sheshadri, unser Ehrengast und ein bekannter Psychiater aus Bangalore, zerschnitt das Band, das quer über die Eingangstür gespannt war, und dann strömten alle Besucher durchs Haus, treppauf und treppab, während unsere Camphillfreunde fröhliche Lieder sangen. Danach hielt Dr. Sheshadri eine sehr inspirierende Anrede, die seine Verbundenheit zu unserer Wohngemeinschaft zeigte. Der Höhepunkt des Tages war danach ein Theaterstück, das Francis für diesen Anlass geschrieben hatte, und bei dem alle Hausbewohner, Mitarbeiter und selbst unser Gärtner und eine der benachbarten alten Damen mitspielten. Es war eine erstaunliche Aufführung, die bei den Zuschauern tiefe Eindrücke hinterließ.

Der Dezember hatte begonnen und bald spürte man die Adventsstimmung. Weihnachtslieder klangen durchs Haus und alle übten mit beim Weihnachtsspiel, das dann am 24. Dezember im Kreise der Eltern und Freunde aufgeführt wurde. Die Aradhya Familie bekam zu dieser Zeit Besuch: Francis’ Bruder mit Familie war aus Frankreich hier und noch zwei Freunde kamen aus Holland und sie waren die ersten Bewohner von Santvana. Da unsere Behinderten zwischen Weihnachten und Neujahr zu ihren Familien gingen, konnten die Aradhyas und ihre Besucher eine kurze, wohlverdiente Ferienwoche in Shimoga, Anantha’s Heimatstadt, verbringen.

Das Jahr 2003 begann mit den Vorbereitungen fuer unseren jährlichen Workshop über Sozial Therapie und am 25. Januar konnten wir die vielen Teilnehmer willkommenheissen: Penelope Roberts und Stephan Rasch aus Camphill Copake, USA, Aban und Dilnawaz Bana aus Mumbai, Frau Rama und Murai Nobuyoshi (unsere Yogalehrer), und weitere Freunde, darunter auch eine Gruppe aus Nepal. Santvana diente auch diesesmal wieder als geräumiges Gästehaus. Während der vier Tage gab es Vortraege über Sozial Therapie und Anthroposophie mit anschließenden Diskussionen, es wurde Eurythmie und Yoga gemacht und gesungen und gemalt. Abschließend wurde beschlossen, mit Vorbereitungen für einen richtigen Kurs in Sozial Therapie zu beginnen, um unseren Mitarbeitern und anderen die Möglichkeit zu geben, ihr Verständnis der seelepflege-bedürftigen Menschen zu vertiefen.

Ende Februar 2003 wurde der nächste grosse Schritt innerhalb der Wohngemeinschaft getan. Francis und Anantha mit ihren Kindern, einigen unserer Behinderten und Mitarbeiter/Volontäre zogen nach Santvana um in Zukunft dort zu leben. Der Rest der Grossfamilie  bleibt in Antaranga und wird dort von unseren älteren, erfahreren indischen Mitarbeitern versorgt. Beide Haeuser werden langsam neue Behinderte aufnehmen, und die ersten sind schon zu uns gekommen : Ramesh und Deepak. Ein neuer Rythmus entwickelt sich, und obwohl noch Vieles zusammen unternommen wird, beginnt doch jedes Haus seine eigene Identität zu schaffen.

In einer wachsenden Wohngemeinschaft erfahren wir viel Freude und sind stolz auf unsere Leistungen , aber wir werden auch mit Problemen konfrontiert. Eine Anzahl Unglücksfälle und Krankheiten, in denen Mitarbeiter, Volontaere und sogar einige Bauarbeiter verwickelt waren, lösten grosse Bedrückung aus und zwingen uns über die Bedeutung dieser Begebenheiten  nachzudenken. In einer Zeit der weltweiten Konflikte werden auch wir, in unserer kleinen Welt, nicht verschont. An dieser Stelle möchten Anantha und Francis ihre tiefe Dankbarkeit unseren Trustees gegenüber zum Ausdruck bringen. Sie standen uns mit Rat und Tat zur Seite und scheuten keine Mühe, die unangenehmen Situationen für uns zu erleichtern. Sie wurden ihrem Namen gerecht: Trust = Vertrauen, und unsere Zusammenarbeit  wurde dadurch noch gefestigter.

Wir sind gerade vier Jahre alt geworden und das Kleinkind, das sich bemühte aufzustehen, macht nun sicherere Schritte. Einige neue indische Mitarbeiter sind zu uns gekommen und sie gewöhnen sich mit Leichtigkeit und Enthusiasmus in das neue Leben ein, und unsere ausländischen Volontaere/innen bringen viel Farbe und neue Talente zu dieser Camphill Familie.

Auch in den letzten Monaten konnten wir wieder großzügige Spenden bekommen und wir danken unseren Freunden in den USA, in Australien, Holland, Schweiz , Deutschland und hier in Bangalore für ihre beständige und wohlwollende Unterstützung.

Herzliche Grüsse und viele gute Wünsche von

Ursula Chowdhury und allen Bewohnern von Antaranga und Santvana

 


Die ganze “Friends of Camphill India “ Familie im Januar 2003